Vergebung ist mehr als nur „na dann will ich Dir nochmal verzeihen aber wehe…“ zu sagen oder zu denken!

Vergebung ist mehr als nur „na dann will ich Dir nochmal verzeihen aber wehe…“ zu sagen oder zu denken!

„Wir sollen immer verzeihen, dem Reuigen um seinetwillen,
dem Reuelosen um unseretwillen.“

Marie von Ebner-Eschenbach (1830 – 1916)

Um Frieden zu bekommen, bedarf es Aussöhnung und die setzt unbedingt Vergebung voraus.

Doch was ist Vergebung überhaupt, dass ich jemandem verzeihe, wenn ich auf ihn böse war? Können Sie jedem vergeben, egal was er gemacht hat?

Egal was er gemacht hat? Nein!“

Auch wenn Sie wüssten, dass Sie sich selbst mit diesem unversöhnlichen Verhalten am meisten schaden? Aber auch Ihre eigene Lebensrealität mit Ihrer Verbitterung oder Gnadenlosigkeit verschlechtern? Und Sie nichts kränken oder irgendwie tangieren würde, wenn dieser Mistkerl von Freund, Idiot von Chef oder Affe von Kollege, nicht bei Ihnen einen Knopf drücken könnte, wenn Sie mit sich selbst vollkommen im Reinen wären. Sie würden diese Menschen gar nicht in Ihr Leben ziehen.

Also noch mal die Frage: Können Sie jedem vergeben, egal was er gemacht hat, wenn Sie wüssten, dass Sie sich mit dem unversöhnlichem Verhalten selbst am meisten schaden?

Ich schade mir nicht. Ich habe das ja nicht gemacht. Ich will mit diesen Menschen nichts zu tun haben. Meine Mutter/ mein Vater war so ein… Nein denen vergebe ich nicht. Aus den Augen aus dem Sinn.“

Doch, Sie selbst schaden sich am meisten. Zunächst durch Krankheitssymptome, aber das ist ein anderes Thema. Dann, dass, wie schon eben angedeutet, Sie solche Menschen immer wieder in Ihr Leben ziehen, da Sie es bearbeiten sollen. Bearbeiten oder besser gesagt Vergeben, heißt auch nicht, dass Sie zu der Person hingehen und sagen „na jetzt vergebe ich Dir noch ein Mal, aber dann ist aus“.

Für mich heißt Vergebung, dass ich nochmal in die Episode reingehe, fühle, was ich gefühlt habe. Ohnmacht oder anderes. Und ich dieses zulasse.

Ich war so verletzt und wütend, und ich konnte mich mich nicht wehren das kann ich nicht vergessen!“

Und jetzt sind Sie erwachsen, sie sind nicht mehr das kleine Kind, das übergangen oder sogar mißhandelt worden ist. Haben Sie schon mal überlegt, warum der andere Mensch so war, wie er war?

Nein, eher nicht, aber das interessiert mich auch nicht. ich möchte nicht über diesen Menschen sprechen.“

Es ist Ihr Wohlergehen und Ihre Zukunft, die davon abhängt zu verzeihen und sich selbst aus dem Kreislauf der Knöpfedrücker zu befreien. Dazu ist es hilfreich, dass Sie sich einmal die Lebensgeschichte der Person ansehen, wo sie das erste Mal dieses Ohnmachtsgefühl hatten.

Ich war jahrzehntelang wütend auf meine Großmutter mütterlicherseits, dass sie, als ich zwei oder drei war, so lieblos gewesen ist und auch später meinte, sich Freundlichkeit bei mir mit Geld und Süßigkeiten erkaufen zu können.

Doch gerade durch ihre Lebensgeschichte ist mir klar geworden, warum meine Großmutter war, wie sie war. Denn sie war ein Mensch, der das lebte, was ich propagiere! Sie wollte zum Beispiel mit keinem ihrer erwachsenen Kinder Weihnachten oder Geburtstag feiern und fuhr selbst wenn sie es versprach zu bleiben, ein / zwei Tage vorher ab. Damals gabe es immer Diskussionen mit ihren erwachsenen Kindern, wie kann man nur und warum, aber heute kann ich es so gut verstehen.

Sie hat vier Kinder großgezogen, in einer Kriegszeit und samt langer Flucht aus Oberschlesien, wo sie alles (eigene Molkerei samt Gut) zurücklassen mussten und einer beschwerlichen Nachkriegszeit. Ihr Mann mein Großvater mütterlicherseits ist nie aus dem Krieg heimgekehrt, da er auf der letzten Fahrt gestorben ist. Sie war eine Frau, die eigentlich keine Kinder wollte und eher Geschäftsfrau immer war. Sie wünschte sich immer noch mal einen Partner. Sie meinte, sie hat all ihren Kindern solange sie klein waren, genug Zeit geschenkt, jetzt wolle sie endlich für sich und ihre Wünsche leben. Recht hatte sie!  und es war eine unheimlich erleichternde Erkenntnis und ich konnte meinen Frieden mit ihr machen und das obwohl sie schon seit 1988 tot ist.

Es war nicht, dass sie mich für wertlos hielt, dass sie mich als Dreijährige sehr schädigend behandelt hat, oder dass sie mich nicht liebte, als sie mir Geschenke anbot gegen Freundlichkeit. Das erste, hatte seine Ursache darin, dass sie Kinder bekommen musste, weil es damals einfach nicht anders ging. Immer, wenn mein Großvater Heimaturlaub vom Krieg hatte, kam 9 Monate später ein Kind. Ansonsten, war er wohl eher mit seiner Arbeit, Kartenspielen und seinen Männerabenden beschäftigt. Und sie hatte sich um alles zu kümmern, als er wieder als Soldat kämpfen musste und sie mit dem nächsten Kind schwanger zurückließ. Und Sie war selbst lieblos als Kind behandelt worden. Ihr eigene Mutter ist gestorben , als sie ganz klein war und ihr Vater hatte eine Witwe mit Kindern geheiratet, die sie sehr stiefmütterlich behandelt hat und die Stiefgeschwister, die älter waren haben sie ewig gepiesakt. Keiner stand zu ihr. Sie wollte sich Liebe mit ihren Geschenken bei uns erkaufen, da sie sich selbst nicht vorbehaltlos liebte. Sie hat unbewusst einfach weitergegeben was sie gewohnt war. Denn Ihre Kinder, meine Mutter und deren Geschwister hat sie genau so schlecht behandelt und uns Enkel auch, wenn wir ihr einfach aufs Auge gedrückt wurden. Da hatte sie dann wieder ihre Ohnmacht gefühlt.

Niemand ist als fiese Mutter, brutaler Vater, Verbrecher oder einfach als missgelaunte Schwiegermutter auf die Welt gekommen, sondern als liebendes, selbstbewusstes Baby, bis es merkte, leider viel zu früh, dass es nicht so richtig sei, wie es ist.

Aber was hat das alles mit meiner Energie zu tun?“

Diese Gefühle Ohnmacht,Wut, Angst, Trauer usw. sind in Ihnen, wenn Sie öfter in solche Lagen geraten, dass Sie etwas aufregt. Sie sind Ihnen nicht bewusst, doch schwingen sie immer mit. Ihr Unterbewusstsein wird Ihnen immer wieder Situationen vor die Füße werfen, damit Sie dieses Gefühl der Ohnmacht endlich zulassen und somit frei lassen können

Dann werden die unsäglichen Vorfälle mit der furchtbaren Partnerin, dem Mistkerl von Freund, Idiot von Chef, Halsabschneider von Vermieter, dem unverschämten Nachbarn oder dem Affen von Kollege und wo die Knöpfedrücker auch herkommen, auf wundersame Weise verschwinden.

Sie ziehen diese mit Ihrem gnadenlosen Verhalten selbst in Ihr Leben, damit Sie sich um den Ursprung Ohnmacht kümmern und sich daraus befreien.

Übrigens, woran Sie merken könnten, dass sie vergeben haben, dass Sie es nicht mehr direkt wissen und es Ihnen in Bezug auf eine Person nicht mehr als erstes einfällt. Sie haben es vergessen und es kann Ihnen nicht mehr schaden.

Das meinte Konfuzius (551-479 v. Chr.)  wohl als er folgendes schrieb:

„Es schadet nichts, wenn einem Unrecht geschieht. Man muß es nur vergessen können.“

Ich wünsche Ihnen, dass Sie Unrecht verarbeiten und vergessen können und immer mal Momente für sich haben. Für Ihr Wohl sind nur Sie zuständig, kein Anderer. Das ist Selbstliebe und die kommt allen zu Gute und es ist somit ein weiteres Mosaiksteinchen für Weltfrieden.

Ihre Brigitte H. Alsleben

PS: Beitragsbild ist heute in Garmisch von mir aufgenommen worden!

 

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