Alsleben’s Adventskalender: 6. Dezember: Ein Wort zum Nikolaustag

Alsleben’s Adventskalender: 6. Dezember: Ein Wort zum Nikolaustag

Hat die Unterdrückung der eigenen Erfahrungen in der Kindheit das Mitgefühl für die jetzigen Kinder und insgesamt unsere Empathie für uns selbst aber auch besonders für andere beseitigt? Oder schädigt liebloses, vernachlässigendes Verhalten der Eltern ein Kind nachhaltig, so dass es später keine Empathie empfinden kann?

Beides wird wohl der Fall sein, denn neurologisch kann jetzt nachgewiesen werden, dass der Teil der für Mitgefühl verantwortlich ist, nicht ausgebildet worden ist, bei Kindern die misshandelt worden sind. Zudem sind diese Erfahrungen, auch einer „normalen“ Kindheit in jedem von uns und manchmal eben verdrängt als Schatten, immer zugegen.

Heute ist Nikolaus und ein schönes Beispiel. Bei unsin der Familie war es Usus (Ende 1960iger Jahre) die Schuhe an den Eingang zu stellen und ich weiß noch, wie meine Eltern immer lachten, weil ich den größten Gummistiefel am Abend des 5. Dezember hinstellte. Am nächsten Morgen rannte ich hin und der Stiefel war gefüllt mit den schönsten Süßigkeiten, Orange, Mandarine, Apfel und Walnüssen. Ich habe wunderbare Erinnerungen daran und es war einfach schön und sehr liebevoll.

Bei einer Klientin war es anders. Sie ging mit ihren Eltern jährlich seit sie sich erinnern konnte, auf eine Nikolausfeier, auf der die Mutter vorher wohl einen Zettel mit dem Betragen der Tochter über das Jahr hinweg aufgeschrieben hatte. Der Nikolaus las das nun aus seinem dicken Buch vor und jedes Kind war nervös. Denn es wollte „brav“ und „lieb“ gewesen sein, doch zuerst kamen immer wieder die vermeintlichen „Ungezogenheiten“ und dafür wurde sie getadelt und mussten als „Strafe“ etwas singen oder vortragen. Sie hatte jährlich Angst davor. Sie fühlte sich ohnmächtig und einsam, obwohl ihre Eltern dabei waren. Doch diese bemerkten ihre Furcht nicht einmal und lächelten sogar, wenn ihr die Tränen kamen. Sie schämte sich vorallem. Ihre Eltern haben das selbst als Kind auch durchgemacht und meinten nur, als meine Klientin ihren Kindern das nicht mehr zumuten wollte, „das hat doch niemandem geschadet!“ Doch hat es und es schadet noch immer! Eltern zerstören damit das Vertrauen der Kinder zu ihren Eltern und somit zum Leben. Besonders wenn ich bedenke, dass es noch Heute in einigen Gemeinden den Krampus-Brauch gibt, der es lustig fand kleine Kinder in eine Sack zu stecken oder mit der rute zu hauen.

Wie muss ein Kind sich fühlen, dass sich den Eltern ausgeliefert sieht, die überhaupt nicht ahnen, dass ihr Kind Liebe und Geborgenheit braucht und dass das Kind kein Stück Ton, Computer oder Roboter ist, den sie zum fügsamen, artigen Staatsbürger erziehen dürfen und dabei dessen Seele vernichten.

Ein Kind, das von Geburt an mit Liebe, Zärtlichkeit, Geborgenheit und Respekt und besonders mit Schutz vor anderen Erwachsenen aufwächst, kann dann zu einem glücklichen Erwachsenen werden, der mit Achtsamkeit, Liebe und Selbstwertschätzung lebt.

Diese Achtsamkeit, Liebe und Selbstwertschätzung wird der spätere Erwachsene dann an seine Kinder weitergeben und der Teufelskreis ist gebrochen. Frieden zwischen den Menschen, Freude,Liebe bei allen Erdenbürgern und Achtsamkeit für sich und Andere und für unseren Lebensraum sind dann keine Illusion mehr, sondern lebendige Realität.

Brigitte H. Alsleben

 

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